Geschichte des Bauchredens

Die Kunst des Bauchredens wurde vor Tausenden von Jahren weit, weit entfernt geboren. Zwar steht der Geburtsort nicht eindeutig fest, doch das erste artikulierte Bauchknurren war schon bei den Ägyptern und Hebräern zu vernehmen gewesen, ganz zu schweigen von den alten Griechen und Römern. Die ersten Ventriloquisten waren vermutlich heidnische Priester, die sich selbst die Fähigkeit attestierten, mit Baum-, Wasser- und Felsgeistern sprechen zu können. Sie hatten die Angewohnheit, Vollbärte zu tragen und ihre rituellen Kommunikationsspiele vorzugsweise bei Nacht oder in dunkeln Höhlen zum besten zu geben. Die geheimnisvollen Zeremonien durften höchstens durch den schwachen Schein einer Kerze etwas aufgehellt werden. Sie mögen Ja Heiden gewesen sein, aber vom Showbusiness haben sie einiges verstanden. Und doch waren es harte Zeiten für Bauchredner. Im günstigsten Fall wurden sie als Aussenseiter betrachtet, Im Mittelalter jedoch mit gewisser Regelmässigkeit gesteinigt oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Bauchrednerkunst als Unterhaltungsform kam erstmals im 16. Jahrhundert in Frankreich oder möglicherweise ein Jahrhundert später in Wien auf. Im 18. Jahrhundert spielte Louis Brabant mit einer mechanischen Puppe, die Lippen bewegen konnte, das leben am Hofe nach. 1772 erschien das erste Buch über die Kunst des Bauchredens. Sein Verfasser Abbé de la Chapelle räumte mit einer Vielzahl von Mythen um das Bauchreden auf und schilderte unter anderem die Auftritte des Barons von Mengen. Anfang des 19. Jahrhunderts war man auch in Amerika soweit. Der nachweislich erste Bauchredner war Richard Potter. In der Schweiz wurde das Bauchreden in der breiten Öffentlichkeit durch Klibi und Caroline Bekannt, an dieser Stelle einen herzlichen Dank an die beiden.

Text teilweise aus „Die Kunst des Bauchredens“ von Dan Richard.